Die Seite des Poeten - The poets page
Du selbst bist Gott
Du mußt den Gott in Dir bejahen,
denn jeder Zweifel nimmt Dir Kraft,
und jede Stufe Deines Gotterkennens
bringt Dich um eine Stufe in der Reife höher!
Den Funken, den Dir Gott geliehen,
kannst Du entfachen zu der reinen Flamme,
die Welten stürzen läßt und auferstehen.
Gott ist in Dir! - Du selbst bist Gott!
So kannst du Götter in Dir thronen lassen,
Altare aufbau'n, Opferflammen zünden,
denn jede Traum- und Sinngestalt wird in Dir Kraft
und jede Wunschkraft wird Gestalt und Form.
So bist Du Bildner transzendenter Welten,
imaginärer Schöpfer Deines eignen Reiches,
bist Priester, Magus, königlicher Herr
und Fürst in Deiner Seele Weiten.
Zypressenhaine stehn um Deine Denkpaläste
und blaue Wogen schlagen an die Marmorstufen,
und Schiffe fahren auf den Meeren
für dich, der Du den Purpur trägst.
Die Erde ist Dir Leid, das die Erkenntnis schuf
und bittre Früchte ihres Golgotha.
Und doch dringt einst zu Dir der Ruf:
"Siehe! Ich bin da!"
Eugen Grosche, Gregor A. Gregorius (1888-1964)
~
A DREAM WITHIN A DREAM
Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow-
You are not wrong, who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream. I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand-
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep- while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?
E.A. Poe
EIN TRAUM IN EINEM TRAUM
Auf die Stirn dir diesen Kuß!
und da ich nun scheiden muß,
sag' dies ich nur zum Schluß:
Ganz recht hat eure Klage,
daß ein Traum warn meine Tage;
doch ob nun die Hoffnung froh
bei Tag, bei Nacht, ob irgendwo
in Schlafgesichten, müdem Sinnen,
ist sie darum nicht von hinnen?
Was wir scheinen und schaun im Raum,
ist nur ein Traum in einem Traum.
Im Brandungsbrüllen steh'
ich an küstenquälender See,
und ich halte in der Hand
Körner vom goldenen Sand-
wie wenige! doch sie rinnen
durch die Finger mir von hinnen,
und ich weine - wie von Sinnen!
Kann ich nicht dichter falten
die Hände, sie zu halten?
O Gott! wie rette ich schier
nur eins vor der Welle Gier?
Ist, was wir scheinen und schaun im Raum,
nur ein Traum in einem Traum?
E.A. Poe
~
ALONE
From childhood's hour I have not been
As others were; I have not seen
As others saw; I could not bring
My passions from a common spring.
From the same source I have not taken
My sorrow; I could not awaken
My heart to joy at the same tone;
And all I loved, I loved alone.
Then–in my childhood, in the dawn
Of a most stormy life–was drawn
From every depth of good and ill
The mystery which binds me still:
From the torrent, or the fountain,
From the red cliff of the mountain,
From the sun that round me rolled
In its autumn tint of gold,
From the lightning in the sky
As it passed me flying by
From the thunder and the storm,
And the cloud that took the form
(When the rest of Heaven was blue)
Of a demon in my view.
E.A. Poe
ALLEIN
Von Kindheits Stunde war ich nicht
wie and're war'n, denn meine Sicht
war anders: Ich hab' nie gestillt
Gefühl vom Born, der allen quillt.
Und meine Sorgen nahm ich nicht
von ihm. Auch was zum Herzen spricht
kam nicht von ihm: Die Lieben mein,
die liebte ich für mich allein.
Dann - in der Kindheit, am Beginn
des Lebenssturms - kam mein Gewinn
aus allen Tiefen, gut und schlecht,
und dies Geheimnis ward mein Recht:
Von dem Wildbach, von der Quelle,
von des Berges roter Schwelle,
von der Sonn', die um mich rollt
in des Herbstes schimmernd' Gold,
von der Himmel Blitze Flug,
als er nah die Erde schlug,
von dem Sturm, vom Donner wild
und der Wolke, die das Bild
(ganz allein am Himmelszelt)
zeigt des Dämons meiner Welt.
E.A. Poe
~
DREAMLAND
By a route obscure and lonely,
Haunted by ill angels only,
Where an Eidolon, named NIGHT,
On a black throne reigns upright,
I have reached these lands but newly
From an ultimate dim Thule-
From a wild clime that lieth, sublime,
Out of SPACE- out of TIME.
Bottomless vales and boundless floods,
And chasms, and caves, and Titan woods,
With forms that no man can discover
For the tears that drip all over;
Mountains toppling evermore
Into seas without a shore;
Seas that restlessly aspire,
Surging, unto skies of fire;
Lakes that endlessly outspread
Their lone waters- lone and dead,-
Their still waters- still and chilly
With the snows of the lolling lily.
By the lakes that thus outspread
Their lone waters, lone and dead,-
Their sad waters, sad and chilly
With the snows of the lolling lily,-
By the mountains- near the river
Murmuring lowly, murmuring ever,-
By the grey woods,- by the swamp
Where the toad and the newt encamp-
By the dismal tarns and pools
Where dwell the Ghouls,-
By each spot the most unholy-
In each nook most melancholy-
There the traveller meets aghast
Sheeted Memories of the Past-
Shrouded forms that start and sigh
As they pass the wanderer by-
White-robed forms of friends long given,
In agony, to the Earth- and Heaven.
For the heart whose woes are legion
'Tis a peaceful, soothing region-
For the spirit that walks in shadow
'Tis- oh, 'tis an Eldorado!
But the traveller, travelling through it,
May not- dare not openly view it!
Never its mysteries are exposed
To the weak human eye unclosed;
So wills its King, who hath forbid
The uplifting of the fringed lid;
And thus the sad Soul that here passes
Beholds it but through darkened glasses.
By a route obscure and lonely,
Haunted by ill angels only,
Where an Eidolon, named NIGHT,
On a black throne reigns upright,
I have wandered home but newly
From this ultimate dim Thule.
E.A. Poe
TRAUMLAND
Jenseits des Raums, jenseits der Zeit
Dehnet sich wild, dehnet sich weit
Ein dunkles Land.
Auf schwarzem Thron
Regiert ein Dämon,
Die Nacht genannt.
Auf einem Wege traurig und einsam,
Mit bösen Engelschaaren gemeinsam
Erreicht’ ich dies Thule
Erst neuerdings.
Durch Heiden ging’s
Durch Sümpf’ und Pfuhle –
Da lag es verzaubert, das Land des Traums,
Jenseits der Zeit, jenseits des Raums
Stürzende Berge, gähnende Schlünde,
Titanenwälder, gespenstische Gründe,
Wallende Meere ohne Küsten,
Felsen mit zerrissenen Brüsten,
Wogen, die sich ewiglich bäumen,
In lodernde Feuerhimmel schäumen,
Seeen, die sich dehnen und recken,
Ihre stillen Wasser ins Endlose strecken,
Ihre stillen Wasser, still und schaurig,
Mit den schläfrigen Lilien bleich und traurig.
An den Seen, die sich so dehnen und recken,
Ihre stillen Wasser ins Endlose strecken,
Ihre stillen Wasser, still und schaurig,
Mit den schläfrigen Lilien bleich und traurig –
An den Felsen neben den düstern,
Unheimlichen Wellen, die ewig flüstern,
An den Wäldern neben den Teichen,
Wo die eklen Gezüchte schleichen,
In jedem Winkel, dunkel, unselig,
An allen Sümpfen und Pfuhlen unzählig,
Wo die Geister hausen –
Trifft der Wandrer mit Grausen
Verhülltes Volk aus dem Totenlande,
Erinnerungen im Leichengewande,
Weiße Gestalten der Schatteninseln,
Bleiche Schemen aus toten Zeiten,
Die verzweiflungsvoll stöhnen und winseln,
Wie sie am Wandrer vorübergleiten.
Für das Herz, dessen Schmerzen Legionen,
Sind dies friedvolle, milde Regionen;
Für den umnachteten, dunklen Geist
Sind es himmlische, selige Auen.
Doch der Pilger, der es durchreist,
Darf es nicht unverhüllt erschauen.
Unergründlich bleibt es für jeden,
Dieses geheimnißvolle Eden –
Das ist des finstern Königs Willen –
Und der Wandrer, von ungefähr
Dorthin verschlagen, erblickt es daher
Nur durch verdunkelte, matte Brillen.
Auf einem Wege traurig und einsam,
Mit bösen Engelschaaren gemeinsam,
Schritt ich jüngst heim durch Sümpfe und Pfuhle
Aus diesem öden, entlegenen Thule.
E.A. Poe
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